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korrespondenz.biz - 016 (15.07.2002): Living with the Media* * Agentur Bilwet: "Living in the Media". 1. Der URL http://www.csl.sony.co.jp/SLL/dialeague/ adressiert die Seite von DiaLeague, einem Projekt von, wie man sieht, SONY, das Dialog-Systeme zugänglich und testbar macht. Bisher ist nur ein System, mit dem man kommunizieren kann, verbunden. Die Kommunikationsaufgabe ist wie folgt: Es werden zwei Bilder mit geometrischen Figuren gezeigt. Man soll das eine Bild in das andere überführen. Dazu kann man dem System normalsprachliche Anweisungen geben -- z.B. Delete the square on the right. Wenn das System die Anweisungen versteht, dann führt es sie aus. Zur Klärung kann auf Objekte gezeigt werden. Man markiert mit dem Mauszeiger die Objekte oder Teile von den Objekten rot und verweist auf die Markierung -- Draw an L below this. Der Nutzer soll so wenig Zeigegesten wie möglich machen und darüber hinaus so wenig Inhaltswörter wie möglich verwenden. Er soll effektiv mit dem System kommunizieren. Dazu muss er sich auf das System einstellen und berücksichtigen, dass dessen Leistungsfähigkeit beschränkt ist. Nach einem Test wird schließlich die Performanz des Nutzers bewertet und nicht die des Systems. Ein System, bei dem die Performanz der Nutzer generell gut ausfällt, ist klarerweise ein gutes System. War oder ist bei Löbner-Tests -- die dem klassischen Turing-Tests nachempfunden sind -- noch der Nutzer, wie er ist, das Maß, so wird jetzt vom Nutzer verlangt, den Umgang mit der Technik zu lernen. Interfaces sollen intuitiv und dem Nutzer gerecht sein, nachdem der Nutzer gelernt hat, sie und die verbundenen Automaten richtig einzuschätzen und zu bedienen. Neu ist das eigentlich nicht. Schon den Umgang mit der Maus musste man lernen. Anpassung und Lernen wurde jedoch als zu vermeidendes -- und bei (zu) komplexen Automaten vermiedenes -- Übel angesehen. Es scheint mir, nun Strategie zu sein, die Anpassung des Nutzers in den technischen Entwicklungsprozess einzubeziehen. Es werden sukzessive neue technische Produkte entwickelt, mit diesen mögliche Nutzer im Umgang mit technischen Produkten erzogen, auf Basis der Produkte und der neu erworbenen Fähigkeiten der Nutzer neue Produkte entwickelt. Diese Strategie verspricht Erfolg. Ich vermute, dass, hätte man parallel zur Entwicklung von Übersetzungsautomaten den Umgang mit solchen Automaten beigebracht, deren Nutzen -- wahrscheinlich auch ihr technischer Stand -- weit höher wäre als er jetzt ist. Jedenfalls wären einige altkluge Feuilltons erspart geblieben. Ich halte es für ganz und gar unwahrscheinlich, dass man nützliche Haushaltsroboter entwickeln kann ohne gleichzeitig die potentiellen Nutzer zu entwickeln. (Ich habe bei meinem ersten Experiment übrigens kompletto abgeloost. Und jetzt kann ich mich nichtmal mehr anmelden. Es kommen nur Fehlermeldungen. Woran liegt's?) 2. Wenn der Umgang mit den Apparaten erstmal beherrscht wird, dann werden sie Teil des Alltags. Es wundert mich nicht, wenn Leute ihrem Aibo gegenüber Gefühle entwickeln. Sie behandeln ihn trotzdem nicht wie ihren "richtigen" Köter. Man lebt mit Automaten wissend, dass es Automaten sind. Die Vermutungen eines Neil Postman sind vergessen, seitdem der Umgang mit neuen Medien -- neuen Apparaten zur Datenübermittlung -- so selbstverständlich geworden ist wie das Öffnen eines Kühlschranks. Und wenn der Reiz des SMS-Nachrichten-Tippens verflogen ist, dann hört das Medium auf die Nachricht zu sein oder wenigstens die Menge möglicher Nachrichten übermäßig zu beschränken. Heute bekam ich folgende Sätze auf mein Telefon geschickt. "Hallo, leider fällt unsere hochzeit am 27. aus. Tut mir leid, dass es so kurzfristig ist. Lieben gruß ..." Ist das nicht wie von Jean Paul Belmondo?
hcs
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