Sep 06, 2002 - 06:25 PM  
e-manifesta.org
Main Menu
· Home

· Topics
· Information
· News
· Submit News
· Top List
· Search
· Forum
· Gallery
· Chat
· References
· Web Links
· Members List
· Downloads
· Headlines
· AvantGo/PDAs
· Recommend Us
· Comments


Last 5 Comments
Last Comment by:
Guest

 what do u mean ...
 a cidade nào pa...
 falsch - die do...
 !!!!!!!!!!!!
 very pertinent ...

::: Comments posted :::
Guests:77
Members:5

Euro

Kunstwerke werden um so weniger genossen, je mehr einer davon versteht.

-- Theodor W Adorno

Online?
We have 26 guests and 0 members online

You are an anonymous user. You can register for free by clicking here


User's Login
 Username
 Password
 Remember me


Don't have an account yet? You can create one. As a registered user you have some advantages like a theme manager, comments configuration and posting comments with your name.

Weather
Frankfurt, Germany
Temp: 22°C
Hum: 40%
Wind: WSW, 11 km/h
Feel: 21°C

Detailed Forecast...

Art News
· Nazi death march museum firebombed in worst attack on a Holocaust memorial in a decade
· Jul 29, 02Toledo Museum of Art Receives Grant to Renovate Organ
· Neanderthal baby found in French museum
· A night at the opera for Marshall
· Eric Friedheim, Publisher and Arts Patron, Dies at 92
· New Sculpture in the Park
· For Love of the Games Men Play
· From Photos to Relics, Remembering the Unforgettable
· On This Old Turf, a Treasured Past Is Still a Presence
· Eric Friedheim, Publisher and Arts Patron, Is Dead at 92

Chat
Normal Rooms
General0 users

  Deutsch: Die zehn Verbote
Posted by: Admin2 on Tuesday, June 25, 2002 - 10:46 AM CET
 
 
Art Various documenta, Manifesta, Art Basel: die schwarze Liste der kunstkritischen Phrasendrescherei

Süddeutsche Zeitung, 05.06.2002

JÖRG HEISER HOLGER LIEBS

Präzise positioniert auf der Plattform, durchbricht dieses Werk die festgefahrenen Wahrnehmungsmuster unserer Obsessionen: Die Körper in ihrer unaufhbebbaren Differenz zum Ich, zum Sein, zum Sosein...Hallöchen, hier spricht der Mythos. Wer da? (SZ v. 065.06.2002)

„Dieser Schützengraben ist nicht nur schlecht, sondern infam gemalt, mit einer penetranten Freude am Detail. Gehirn, Blut, Gedärm werden so ausstaffiert, nicht etwa gemalt, dass alle animalische Reaktion zur Hochspannung getrieben wird. Dieser Dix ist – verzeihen sie das harte Wort – zum Kotzen.“

Das ist nun wirklich mal ein deutliches Urteil. Nicht unbedingt gerecht – immerhin gilt Otto Dix’ verschollenes Kriegsbild „Der Schützengraben“ (1924) heute als meisterhafte Parabel auf die Grausamkeit des Krieges –, vielleicht auch ein wenig zu sehr vom Ekel des anonymen Rezensenten getrieben. Aber wenigstens genau. Und vor allen Dingen: floskelarm.

Aber das ist nun auch schon ein paar Jahre her. Knapp acht Jahrzehnte später sucht man in den zahl- und zahnlosen Ausstellungskritiken, Katalogbeiträgen, Kuratoren-Bulletins, Museums-Statements, Künstlerporträts oder Pressekonferenzen der Gegenwart solche Formulierungslust vergebens. Dabei könnte es so ein schöner Kunstsommer werden. Die Manifesta in Frankfurt ist bereits im Gange; im Kölner Museum Ludwig eröffnet morgen die Matthew-Barney- Retrospektive, am Samstag beginnt in Kassel die documenta, nächste Woche dann die Baseler Kunstmesse. Dazwischen und daneben unzählige weitere Ausstellungen, die an die Großereignisse andocken.

Es gäbe also viel zu urteilen, zu loben oder zu verreißen. Aber die Kunstkritik – zugegebenermaßen auch in dieser Zeitung – hat ein Problem. Es lautet: Floskelflut. Phrasendrescherei. Flucht ins Theoretische. Vor allem die Formel-Wiederkäuer und Versatzstück-Verwurster des kunstkritischen Theorie- Jargons dominieren derzeit den Kunstbetrieb. Schon widmen sich zwei jüngst erschienene Publikationen der grassierenden Worthülsen-Diarrhöe, die sich um klare Urteile drückt und lieber Deleuze oder Derrida herbeizitiert: Die letzte Ausgabe der Theorie-Zeitschrift Texte zur Kunst konstatiert einen Verzicht auf deutliche Stellungnahmen der Kritik, während sich unter der Hand ein „ritualisiertes Hetzen“ etabliert habe. Und auch im neuen „Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst“ von DuMont widmet sich ein Artikel der Kunstkritik und dem selbstherrlichen Einsatz von Theorieinstrumenten.

Der Kunstjargon verdient Entrümpelung; die kleinen Männer in den Kritiker- und Kuratorenohren, die ihnen Neologismen und wohlklingende Theorie-Samples mit dem beliebten Präfix „Co-“ einflüstern wie „connectedness, commitment und contribution“ (Saskia Bos) oder „collective consciousness, collective intelligence und co-existence“ (Yuko Hasegawa) – sie sollten nicht mehr lärmen dürfen. Das klingt nach Denkverbot – aber es geht um das genaue Gegenteil: Von den folgenden Jargonklassikern soll niemand mehr um die Lust am Lesen und Reden über Kunst gebracht werden.

1. Seit Jahrzehnten ganz oben auf der Liste: „Wahrnehmungsmuster“, wahlweise „festgefahren“ oder „konventionell“ oder „eingeübt“, die vom Kunstwerk „verunsichert“, öfters auch „aufgebrochen“, „verzerrt“, wenn nicht gar „irritiert“ werden. Stoisch unbeirrt wird diese Eigenschaft oft gerade solchen Werken zugesprochen, die sich auf das konventionelle, längst eingeübte Repertoire künstlerischer Verfremdung verlassen. Der Punkt ist: Jeder Hausmeister, der komisch formulierte Zettel ins Treppenhaus hängt, verunsichert potenziell Wahrnehmungsmuster.

2. Ein echter Aufsteiger der Neunziger: die „Plattform“. Sie ist ein Symposium, eine Institution, ein Diskussionsforum oder einfach Ausgangspunkt für irgendetwas. Sie schwebt im Kunstbetrieb wie ein fliegender Teppich in Parkposition, völlig losgelöst von allen Abhängigkeiten. Das war mal emanzipativ gemeint, vielleicht im Sinne der „Tausend Plateaus“ von Deleuze/ Guattari. Da Plattformen und auch Plateaus tatsächlich viel abhängiger von den fest gemauerten Institutionen der Kultur, der Politik und der Ökonomie sind, als das Bild des frei herumschwebenden Fußbodens es vortäuscht, wäre „Terrasse“ ein Alternativbegriff.

3. Absolut unumgänglich scheint die Behauptung von „Komplexität“ und „transitorischen Prozessen“, in denen sich „Heterogenitäten“, „Differenzen“ und „Vernetzungen“ ergeben (siehe auch: „tausend Plateaus“). So komplex klingt das, dass es die Mühe offenbar nicht lohnt, mehr als die rhetorische Beschwörung dieser Komplexität zu leisten.


4. „Präzise“. Wird immer dann von einem Kunstwerk behauptet, wenn es die Beschreibung genau nicht ist. Bei minimalistischen Installationen gerne auch als „präzise Anordnung“.


5. „Poetisch“. Ein Kunstwerk ist immer dann „poetisch“, wenn es irgendwie blumig und träumerisch wird, wenn es vielleicht sogar ein „subtiles Spiel“ spielt (siehe auch: „präzise“), wogegen an sich nichts einzuwenden wäre. Es bringt nur rein gar keinen Erkenntnisgewinn. Genausogut könnte man auch über Schillers „Glocke“ sagen, dass es sich ganz zweifelsfrei um ein Gedicht handele.


6. „Präzise“ oder/und „poetisch“: das sind meist künstlerische „Positionen“. Der Kunstkritiker Tom Holert hat kürzlich die Erfolgsgeschichte des Begriffes nachgezeichnet. Position klingt gleichzeitig nach „Haltung“, also nach persönlicher Parteilichkeit (vermeidet aber den alten Künstlergenie-Kult), zugleich jedoch auch nach entpersonalisierter, sozusagen mathematischer Ortsbestimmung des Œuvres (ohne ganz neutral zu werden). So können die künstlerischen „Positionen“ von Kuratoren und Kritikern hin und her geschoben werden. Der Drift in die Beliebigkeit werden dadurch jedoch Tür und Tor geöffnet.


7. Von „Position“ überholt, aber nach wie vor beliebt: „Obsession“. Harald Szeeman und Jean-Christophe Ammann operieren seit über drei Jahrzehnten damit. Der Künstler verbeißt sich mit aller „Intensität“ in etwas. Und seien es von Seilen umwickelte Frauen oder mikroskopisch kleine Handschriften oder Knollennasen. „Marotte“ wäre ein geeignetes Synonym.


8. Und noch ein P-Wort: das künstlerische „Projekt“. Das war einst etwas, das Zusammenarbeit, Kollektivität, Prozessualität, Zukunftsorientiertheit bedeutete – Kunst, die sich nicht in den „Marotten“ Einzelner verliert, sondern die großen ästhetischen und politischen Probleme im Kollektiv angeht. Mittlerweile können aber auch Projekte Marotten sein: nämlich dann, wenn die Projektler vor lauter Vermeidung von Konzessionen an Verständlichkeit ihr eigenes Publikum geworden sind. Dann wird schnell eine „Projektion“ daraus (auch die Psychoanalyse wird immer noch gerne als P-Wort-Lieferant gebraucht).


9. Allzu oft werden in letzter Zeit Museen, Galerien, Ausstellungsräume „bespielt“. Da sieht man Kuratoren vor sich, die mit eleganten Tänzelschritten durch die Räume wandeln und graziös „Positionen“ in die Ecke kullern lassen. Gefahr: Die „Präsentation“, „Inszenierung“, das „Arrangement“, oder – in letzter Zeit auch beliebt – das „Set-up“ wird als folkloristisches, leichtfüßiges Gauklerfestival missverstanden.


10. Der „Mythos“ schließlich ist auch so ein Mythos. Ständig wird er „entlarvt“, „offen gelegt“ oder „unterlaufen“. Lassen wir dem Mythos seine Ruhe. Es gab übrigens mal eine Band mit dem schönen Namen „Mythen in Tüten“. Aber Tüten kann man wenigstens entsorgen.

 
 
  Related links

· More about Art Various
· News by Admin2


Most read story in Art Various:
manifesto do cidadao comum

 

Die zehn Verbote | Login/Create an account | 0 Comments
Threshold
  
Comments are owned by the poster. We aren't responsible for their content.
experience discussion critic opinion debate   

All logos and trademarks in this site are property of their respective owner. The comments are property of their posters, all the rest © 2002 by Technologies To The People
This web site was made with PostNuke, a web portal system written in PHP. PostNuke is Free Software released under the GNU/GPL license.
You can syndicate our news using the file backend.php
e-manifesta.org is a project by :: Technologies To The People and Manifesta 4
In memory of Greg founding member of the PostNuke CMS Development Project