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2002 war das Jahr, in dem ich die digitale Revolution verstanden habe. Etwas anti-zyklisch, zugegeben, hatte doch spätestens 2002 jedes mittelgrosse Dorf seinen eigenen Internetpleitier, waren handfeste Werte, Produkte, Dinge, Ernsthaftigkeit, Krise so in wie Ironie out war (und wohl auch 2003 bleiben wird). Ich jedoch habe mir einen portablen MP3-Spieler gekauft, und jetzt habe ich endlich begriffen, was ich schon immer wusste: digitale Daten kennen kein Zuhause. Kein Original, keine Fälschung. Jeder Versuch, sie zu verkaufbaren Gegenständen zu machen, wird scheitern. Meiner verspäteten Epiphanie zum Trotz war 2002 aber auch das Jahr, in dem jene alte Kupplerin, die für lange Jahre alle die zusammenführte, die nämliche Revolution schon vor Jahren verstanden hatten, nach langer Krankheit verstarb: Napster, noch vor Jahren an den beliebten internationalen Finanzmärkten höher bewertet als das Bruttosozialprodukt so manchen Staates, wurde für das bei solchen Gelegenheiten übliche symbolische Kleingeld verscherbelt; zur Ausschlachtung, um im Bilde zu bleiben. Hatte die Konterrevolution also doch gesiegt? Denn noch etwas änderte sich 2002: Plötzlich war Content nicht mehr selbstverständlich umsonst. SpiegelOnline z.B. wollte mich irgendwann nicht mehr allen Links umsonst folgen lassen, rattelte vielmehr penetrant mir mit dem Klingelbeutel vor der Maus umher. Sollte Information plötzlich doch nicht mehr frei sein? Hier nun ist meine These, die diese Ereignisse zusammenführt: Wenn der Markt nicht eine solche grausige Anarchie wäre, ohne Sinn und Verstand, sondern z.B. eine Diktatur mit z.B. mir als (gutmütigem) Diktator, wäre alles anders gekommen, das Internet nicht verbrannt für's Geldverdienen, die Wirtschaft immer noch am Brummen, Berlin Mitte immer noch voller Sushi-Förderbänder und frei an Rudis-Reste-Rampe-und-more-Läden, Mikli-Brillen immer noch der letzte Schrei. Ich hätte es nämlich besser gewusst, und besser gemacht. Ich hätte ungefähr 1995 Micro-Payment eingeführt, und ich hätte MP3s legalisiert. Wir sehen hier nämlich zwei sich annähernde Entwicklungen. Die Anbieter von Informationen (im engeren Sinne) waren immer schon da, aber umsonst, wollen jetzt aber Geld verdienen (oder zumindest nicht mehr verlieren). Die Musikanbieter (und bald auch die Filmanbieter) waren nicht (legal) präsent, wollen es jetzt aber sein, und endlich Geld verdienen (oder zumindest nicht mehr verlieren). Das ist die Ironie an der Entwicklung, dass nämlich die technischen Möglichkeiten vor langer Zeit schon, weit bevor die Massen das Internet entdeckten, bereit standen:
Hat all das die digitale Revolution verhindern können? Natürlich nicht. Aber aufhalten. Damit so etwas nicht wieder passiert, sollte ich Diktator werden. das
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