| Der hellbraune Hund korrespondenz.biz --- (04.08.2003) --- [Print-Version] --- [Kommentare] |
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Die Treppe zur U-Bahn ist rutschig. Gerade war ein Gewitterregen niedergegangen und hatte die Blüten einer Linde auf die Stufen geworfen, die über dem Eingang steht. Unten - im Halbdunkel - sitzen Punks, die bei gutem Wetter oben auf einer Wiese ihre Tage verbringen. Zusammen mit ihren Hunden, Streunern, die ihnen mit der Zeit ähnlich geworden sind. Sie tollen auf der Wiese herum, buddeln Löcher, schlafen. Doch nicht heute, heute sitzen Mensch und Tier auf dem dreckigen Teergemisch im Durchgang zu den U-Bahn-Gleisen und langweilen sich. Ein kleiner Junge steigt die Treppe hinunter - wie jeden Tag, wenn er von der Schule kommt. Er hält den Kopf gesenkt, damit die Punks ihn nicht ansprechen, ihn nicht anbetteln. Er hat Angst vor ihnen. Doch geht er deshalb nicht schneller, denn dann könnten sie ja sehen, dass er Angst hat - so wie die Hunde es riechen können. Am Fuß der Treppe angekommen, sieht der Junge, wie ein Punk versucht, einem hellbraunen Hund eine Gasmaske über den Kopf zu ziehen. Es ist eine dieser alten Masken, die auf Flohmärkten verkauft werden, deren hellgraues Gummi schon brüchig ist. Erinnerung an einen Krieg, der nie stattgefunden hat. Der Hund stemmt sich gegen die Hand, die sein Halsband festhält und gegen die andere, die das enge Gummi über die Schnauze zu ziehen versucht. Es sieht aus, als wolle der Mann dem Tier die Haut abziehen. Der Junge fühlt im Vorübergehen, wie das ohnehin struppige Fell des Mischlings sich sträubt, wie das harte Gummi an seinen Lefzen reißt, wie Angst und Schmerz wachsen. Und alles nur, damit der Mann über den Anblick eines Hundes mit Gasmaske lachen kann. Der Junge hasst den Punk und hat keine Angst mehr. Auch nicht der Hund. Und wie der Junge den Gang entlanggeht und dem Hund wünscht, den Mann zu beissen, windet sich das Tier aus der Umklammerung von Hand und Gummi und schnappt nach vorne - dorthin, wo die Angst sitzt - dem Mann ins Gesicht. Und er beisst, so wie das Gummi ihn gebissen hat, und er reißt an der Masse, wie das Gummi an ihm gerissen hat. Und weil Hunde Angst riechen können, fangen die anderen Hunde an zu bellen, zu knurren und fallen übereinander her. Der Geruch von Angst und Blut macht sie wild, und ihr Bellen mischt sich mit dem Geschrei der anderen Punks, die dem Mann mit dem Hund im Gesicht helfen wollen. Und der Junge springt in die Bahn. hap
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