Umzug

korrespondenz.biz --- (15.09.2003) --- [Print-Version] --- [Kommentare]
 
 

In den letzten 5 Jahren bin ich sieben Mal umgezogen, aus Deutschland weg, im Zielland hin und her. Ein weitere Umzug steht an. Weniger, weil mir Umziehen so einen Spass macht, als weil es sich nicht vermeiden liess. Die meisten der über 20-odd Jahre angesammelten Dinge sind nicht mitgewandert, sondern am Ausgangspunkt eingelagert. Entsprechend sind die Sachen, die Kontinuität bedeuten, eher in mein Laptop abgewandert, oder in meinen iPod. Eine digitale Kamera ist kürzlich dazugekommen, und wird noch mehr Erinnerungen abspeicherbar machen. ``home is where your ~ is.'', um mal den Geek raushängen zu lassen. Das funktioniert zu einem gewissen Masse schon erstaunlich gut; meine Pointe hier soll jedoch sein, dass es eben doch nicht richtig funktioniert.

Eingetroffen bin ich hier mit nur zwei Koffern und der Vorstellung, einen auch sichtbaren Schnitt mit Vergangenheit und Besitztümern etc. zu machen. Die Glorie des selbstgewählten Exils. Die ersten Kisten mit `den wichtigsten' Büchern sind dann bald nachgekommen, die ersten Nachkäufe wurden getätigt. Jetzt sitze ich auf meinen 2 Kubikmetern, und warte auf die Spedition.

Die CD-Sammlung ist bereits virtualisiert, die einzigen Gewichte sind die Bücher. Wo bleibt das digitale Papier, wo bleibt der iPod für Texte? Würde ich ihn jedoch benutzen wollen? Schon bei CDs fällt mir auf, dass die wenigen, die ich nicht im Original gesehen habe (es sind wirklich nur sehr wenige, ich halte nicht viel von Diebstahl und habe ausserdem nur langweilige Freunde mit schlechtem Musikgeschmack), von mir seltener gespielt werden, und schlechter gefunden werden. Dabei sehe ich selbst von mir gekaufte CDs eigentlich nur noch im Laden und ganz kurz zu Hause. Bücher sind noch mehr als CDs nicht nur Informationsträger. Vielleicht eine Frage der Gewohnheit. Kann man sentimentale Erinnerungen haben daran, wann und wo man ein File heruntergeladen hat?

In den Jahren hier in diesem Land habe ich immer in möblierten Wohnungen gewohnt. Das war praktisch, da ich bei meinen Umzügen nie sperrige Regalbretter runterfallen lassen konnte. Das war auch amüsant, weil ich die unpassendsten Stilmischungen ertragen musste. Anfälle von Nestbauverhalten konnte ich mit einem kurzen Blick in den Fernseher und Sendungen wie ``changing room'' --- oder in schlimmeren Fällen mit vergnügter Lektüre von wallpaper* --- vertreiben. Jetzt muss ich Möbel kaufen, und Entscheidungen treffen.

Hat mir etwas gefehlt in diesen Jahren? Lässt sich der Traum Corbusiers (und der ja bereits ältlichen New Economy) vom minimalistischen, mobilen Leben verwirklichen? Es ging, verschieden gut. Die gemütliche Schrankwand ist, wie erwähnt, jetzt im Computer. Mal sehen, wie das jetzt weitergeht. Wenn ihr mich in Habitat erwischt, erschiesst mich.

das