| Unterm Bayerkreuz
korrespondenz.biz --- (05.05.04) --- [Print-Version] --- [Kommentare] |
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Notbremse
5.21
Ankunft Bayer Dormagen
Mürbe Automaten-
Überwachungsautomaten
Zücken schon im Aufstehen ihren Werksausweis
Immerhin im Sommer
Geht gleich schon die Sonne auf
Ein neuer Tag ist wie ein neues Leben
Hinter der Maschine
Die Schichtarbeiter schlafen tunlichst nicht im Raucherraum
Schweigen von den letzten Todesfällen
Ihrer frühverrenteten Kollegen
Und ihr frag ich 6.00
Die 3. Zigarette
Zwingt dem Herz den neuen Rhythmus auf
Einer sagt nach ein paar Jahren
Weiß man nicht mehr wann man scheißen soll
Irgendwann ist Ende
Schicht
Spät Früh Nacht
Macht
Daß man nicht mehr davon spricht
Endgültig graut der Morgen
Ein Gasmaskierter grüßt mit roten Augen
Von der Kesselwagenfüllstation Q35
Vielleicht war er es der mir neulich
Einen der netten Totenkopfaufkleber mitgegeben hat
Er fühlt sich etwas einsam neuerdings auf seinem Gleis
Die Firmenleitung informiert
Der Rhein ist wieder sauber
Die Chemie hat für die Umwelt viel getan
Fast möchte man fragen
Was hat die Umwelt je für die Chemie getan
Vom Klärwerk weht es säuerlich
Niemand demonstriert hier mehr
Als Unzufriedenheit
Wer steht schon gerne auf der Straße
Bei 36° im Schatten
Früher war natürlich alles schlimmer
Da hatten sie noch nicht die Arbeiterbewegung
Man muß ja froh sein heutzutage
Auch wenn es nicht immer gelingt
Ich addiere meine Schichtzulagen
Zu den Lottototozahlen
Und den Spinnen vor den Fenstern meines Wiegehauses
Auf den Rohren Bäuchen Schultern der Fabrik
Eine Schwalbe klopft an meine Scheibe
Bricht sich das Genick
Ein Glück ich dachte schon es sei der Meister
Und tat als hätte ich zu tun
An einem anderen gleichen Morgen
Steht einer etwas früher auf
Als 5.21
Ankunft Bayer Dormagen
Sein Blick fällt auf
Die Notbremse
Ich denk er denke
Raus noch kann ich
Jetzt oder nie
Doch misuse will be punished
Tout abus sera puni
Eingestellt
Vielleicht heute ein Aufschrei
Im Rundfunk
Sorgt handwarme Hintergrundbeleuchtung sich
Um Werte- und Wertpapierverfall
Mischen Vertreter paritätisch körnchenweise
Instantsozialphilosophie
Aus Herzogtum, Rosa und Radio Luxemburg
Aber der Lach- und Sachzwang überwiegt
Eigentum ist Kruppstahl
Alte essen Wohlstand auf
Reichtum muß sich wieder lohnen
Zersessene geklaubte Möbel
In gesundgeschrumpften Denkgebäuden
Die Unsichtbare Hand
Gehört in jede Westentasche
Krieg ist Krieg
Und Mensch ist Wolf
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Als immer nie zu langen Weg zur Arbeit
Wähle ich die Stadtrandstrecke
Das ist Freiheit
Wahl und eine halbe Stunde
Wortlos unverstellte Aussicht jeden Tag
Markenkleidung adelt Namenlosigkeit
Augenränder zeugen von Revolte
Gehetzter Schweiß nimmt Fenster in Beschlag
Draußen, unterhalb der Hochbahntrasse
Pflanzen Tieflohnkonkurrenten weichgezeichnet
Neue Blüten in die Supermarkt- und Bankgebäudeflechte
Feuerwehr beseitigt erste Unfallspuren
Autobahnverkehr gerinnt
Was gut ist für General Motors
Stinkt nicht
Makes the world go round
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Der Umschlagplatz Mülheimer Bahnhof
Ist beinah unwirtlich zu dieser klaren Stunde
Aber fischweibische Werbewälle
Schmeicheln noch den wachsten Geist zurück ins Eckchen
Lächeln perlweiß porentief vergletschert
Tun was
Kriegen uns früher oder später doch
Vor den Christenfesten appelliert Moral
Leise verschämt möchte im Grund nicht stören
Stört nicht
Mit 50 Euro können Sie
Einen Menschen von der Lepra heilen
Rather I go naked
Geiz ist geil
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Von 9 Uhr 15 bis zum neoliberalisierten Ladenschluß
Räume ich im Baumarkt beispielsweise
Aromatenarme Lacke für die Gartenlaube ins Regal
Boulot-Métro-Dodo
Rackern-Rückfahrt-Ratzen
Die Internationale
Zeitvertreibungssolidarität
Des radiokontaminierten Angestelltenproletariats
Am Vortag bissen faulen Münder nicht
Auf einer Demo gegen Gesundheitsleistungskürzung
Irgendwelchen Drittweltarmen
Lieh man einen Rettungsring aus reinstem Gold
Dann schieben Werbefunk und -fernsehen wieder
Etikettenweise Abziehbildersprache unter jede Schwelle
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Das Leben der Fledermäuse muß ein wunderbares sein
Ihre eigene Stimme führt sie durch die Nacht
Die meine
Ist mir nicht mehr dienlich
Eingestellt bin ich
In Kurzfrist
Alternativlos glücklich
Hör dem totgesagten Bruder zu und schau
Schreie höchstens nach dem Vorgesetzten
Zwischen Anstrichen und Abflußfrei
Sind Dichtungen nur schwer zu finden
dea machina
Schlafentzug (kalt)
Befindlichkeit weinerlich
Sehschärfe -1,7 Dioptrien
Tendenz fallend
Autopilot genügt
Zu 100,2 %
Den Minimalsystemanforderungen
Gedankenketten rasseln
Schwerfällig wie
Trinkergaumensegel
Binden meinen schwachen Geist kurz
Und in wenigen Schleifen
An die gerade erst
Und doch nie ganz
Vergangene Nacht
Milligramm Teerputsch
Hab schon wegen Edlerem gewacht
Als Angst vor dem Verhungern
Hatte schon mehr als Brand
Und Löschsand in den Augen
19 Zoll flimmerfreie Außenwelt
Verlangen unverzügliche Bedienung
Arbeit an der Schwelle
Ein Nebeltanz ein
Ringen zwischen
Halbtraumbildern Disziplin und einer
Leuchtspur freien Willens
Immer
Siegt am Ende
Die Maschine
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