Wahlkampf in Chicago Nordrhein

korrespondenz.biz --- (13.06.04) --- [Print-Version] --- [Kommentare]
 
 

Spaziergang durch die ausgekehrte
Einkaufssahelzone
Ganz gleich welcher
Sonntäglichen Großstadt
Rosige Speckgürteltouristen
Suchen den McDonald's
Finden nichts
Sei mehr wie früher
Familien in Ausgehuniformen
Mustern Rangabzeichen anderer
An einem Stand der Freiheitlichen
Stillen lose Konsumentengrüppchen
Halbherzig ihren Entzug mit Luftballons
Und Fähnchen Hauptsache
Man kehrt nicht leer zurück ins Parkhaus

Denn es ist Wahlkampf
Wahl wovon wozwischen
Kampf um was Kampf gegen wen auch
Immer herrscht Affentanz ums Stimmvieh
Mit Danaerwahlgeschenken
Steuerreißen Steuersenken
Nur der Markt
Wird alles alles richten
In seiner blinden Weisheit Wut und Güte
Am Neumarkt
Bellen Wachmannschäferhunde
Hüftservil gezüchtet
Die bekannten Penner Elemente
Die hier nichts zu suchen
Nichts verloren haben
Als ihr Glück
Zurück in ihre Wohnverrichtungsboxen

Mündig frage ich den gelben Wahlmann
Nach seinen Midasphantasien
Seiner Utopie
Die Menschen von den Fesseln zu befreien
Die sie zu Unrecht
Für die Rettungsseile halten
Politik ist Wirtschaft sagt er
Wirtschaft Mathematik
Mathe ist Schule soll ich verstehen
Und Schule Scheiße
Die Speckrosen springen gesättigt
Ratlos bildlich ihrem MdB zu Hilfe
Die fetten Jahre sind vorbei
Wir müssen sparen
Wer was wovon auch immer
Wie spät ist der Spätkapitalismus
Wenn diese Menschen
Seine Diener sind

Die Rechenschule in Chicago
Stadt der Mafia
Der Schlachthäuser des Kapitals
Ist ihren glühenden Verehrern
Kaum dem Namen nach bekannt
Ihre Wanderweisen aber pilgern
Zwischen Mont Pèlerin Davos
New York und Brüssel
Den Moloch und seine Launen
Zu minnen und zu deuten
O er kann auch freundlich sein
Ist phantasievoll und gerecht
Doch wehe! wenn wir ihm nicht opfern
Regenwälder Feiertage
Erst wenn der letzte Baum gefällt
Ist auch die Weidefläche optimiert
Und sowieso was kommt
Pfingstmonntag schon im Fernsehen

Doch ist auch noch der Stand der anderen
Zweifler Ketzer und Kassandren
Eine heitere Dauerbrotoase
Leid- und Hungerkunstausstellung
Freundlich grau und unbestellt
Wir bringen schlechte Nachricht sagen sie
Ich denke solidarisch
Hängt sie und
Ich kann nicht mehr
Zeit für ein erstes Bier
Ihr werdet noch dran glauben müssen
Homo sapiens ist tot
Homo sapere nolens ist der Mann der Stunde
Verdrängt
Was Euch beengt
Und gehe es in die Bruttoregistertonnen
Stimmt ein in die Litanei
Das haben wir nicht gewußt
Gewollt
Das konnten wir nicht ändern
Was immer es auch sei

Abends
Im Fernsehen
Gibt es keine Gegenstimmen

 

mhs